
Deutschlandtour – Von Nord nach Süd
Einmal quer durch Deutschland. Vom nördlichsten Landpunkt bis an die letzte offiziell befahrbare Spitze im Süden. Wo immer es geht, unter Vermeidung von Schnellstraßen und Autobahnen.
Weserbergland
Strecken-Achsen, Bikertreffs, Tankstellen und fertige Tagesrunden – alles zum Fahren.
Von der Redaktion gefahren und dokumentiert – mit Karte und GPX-Track zum Nachfahren.

Einmal quer durch Deutschland. Vom nördlichsten Landpunkt bis an die letzte offiziell befahrbare Spitze im Süden. Wo immer es geht, unter Vermeidung von Schnellstraßen und Autobahnen.

Wer einfach Motorrad fahren möchte und dazu keine 2.000 m hohe Pässe oder Staus auf den Alpenpässen braucht, dem seien die Mittelgebirge Deutschlands empfohlen.

Diese Motorradtour führt vom Fuße des Harzes zur Aussicht des Köterbergs, durch die Einsamkeit des Westerhöfer Waldes und über den Solling hinab bis zur Weser.

1000 Kurven? Kein Problem, denn wer nachzählt, wird feststellen, dass es noch viel mehr sind. Viel Spaß bei dieser ganz besonderen Tour durch das Weserbergland.

Im Dreieck zwischen Südharz, Wesertal und dem Verlauf der Werra gibt es Motorradstrecken bis zum Abwinken.

Dornröschen kennt wohl jeder, nicht aber den Reinhardswald, wo die Könisgstochter einst lebte und laut Märchen einhundert Jahre lang schlief. Vor allem mit dem Motorrad sollte man dieser wunderschönen Ecke in Südniedersachsens unbedingt…
Die Weser trennt die Höhenzüge in zwei Reihen, und wer eine Runde plant, steht früher oder später vor der Frage, wo er den Fluss quert. Zwischen den festen Brücken liegen oft etliche Kilometer — und genau dort setzen die kleinen Fähren an, die im Wesertal seit Generationen übersetzen. Als Gierseilfähren arbeiten mehrere von ihnen ganz ohne Motor: Das Boot hängt an einem langen, stromaufwärts verankerten Seil und wird vom Fährmann schräg zur Strömung gestellt. Das fließende Wasser drückt gegen den angestellten Rumpf und schiebt die Fähre wie ein Segelboot am Wind quer über den Strom — lautlos, ohne Sprit, allein aus der Kraft der Weser. Für eine Region, in der Motorradlärm ein Dauerthema ist, hat diese Antriebslosigkeit fast schon Symbolwert.

Für die Streckenplanung sind die Übersetzstellen mehr als eine Kuriosität. Sie verbinden das linke und das rechte Ufer ohne den langen Umweg zur nächsten Brücke und lassen sich so zu Achterschleifen fügen, die einen Höhenzug auf der einen Seite anfahren und über die Fähre gleich zum nächsten auf der anderen wechseln. Eine Überfahrt dauert nur wenige Minuten, taugt aber als eingebaute Pause — Motor aus, Helm auf, kurz durchatmen, während der Fährmann ablegt.
Ein paar Dinge gehören zur Fährfahrt dazu:
Entscheidend ist die Saison: Die Weserfähren fahren im Regelbetrieb vom Frühjahr bis in den Herbst und pausieren über den Winter. Auch der Wasserstand redet mit — bei Hochwasser oder ausgeprägtem Niedrigwasser wird der Betrieb eingestellt. Wer eine Tour auf eine bestimmte Überfahrt aufbaut, prüft die aktuellen Betriebszeiten vorab und hält sich eine Brücke als Ausweichquerung offen.
Wer auf öffentlichen Straßen im Weserbergland den Gasgriff weit aufzieht, bekommt es schnell mit Lärmdisplays, Kontrollen und einer gereizten Nachbarschaft zu tun. Für den sportlichen Anspruch gibt es in Reichweite die legale Adresse: den Bilster Berg bei Bad Driburg im Kreis Höxter. Die Test- und Eventstrecke wurde 2013 auf einem früheren Militärgelände eröffnet und vom bekannten Rennstrecken-Architekten Hermann Tilke geplant — kein nachgezeichneter Flachkurs, sondern eine Strecke, die das stark bewegte Gelände bewusst ausnutzt.
Genau daraus zieht der Kurs seinen Ruf. Kuppen, in die man nahezu blind einlenkt, Senken, die den Blick verschlucken, und eine Streckenführung mit erheblichem Höhenunterschied über die Runde machen ihn anspruchsvoll — wegen dieser Topografie wird er gern mit der Nordschleife verglichen. Gefahren wird hier nichts spontan: Der Bilster Berg ist eine geschlossene Anlage, nicht öffentlich befahrbar und aus Rücksicht auf Naturschutz und Anwohner streng geregelt.
Für Motorradfahrer bleibt er trotzdem ein lohnendes Ziel — als Trackday oder Fahrsicherheitstraining, bei dem man sein Tempo dort auslebt, wo es hingehört, und die Landstraßen ringsum umso entspannter und leiser fährt. Termine, Voraussetzungen und Anmeldung laufen ausschließlich über den Betreiber und gehören vor der Anreise geklärt; eine Runde gibt es nur im Rahmen der offiziellen Veranstaltungen, einen spontanen Abstecher am Tor vorbei nicht.
Der Köterberg ist nicht der höchste Berg der Region — das ist die Große Blöße drüben im Solling —, aber er ist der höchste, auf den eine Straße bis zur Kuppe führt. Mit rund 496 Metern überragt er das Lipper Bergland an der Grenze zwischen Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen, und weil sein Gipfel weitgehend baumfrei ist, reicht der Blick von oben bei klarer Luft weit über die Höhenzüge hinweg bis zum Harz. Weithin sichtbar macht ihn der Sendeturm auf der Kuppe — ein Orientierungspunkt, den man aus dem Tal schon von Ferne anpeilt.
Fahrerisch ist der Berg eine Stichstraße: Von mehreren Seiten — aus Lügde, von der Ottensteiner Hochfläche und aus Richtung Schwalenberg — arbeiten sich kurvige Landstraßen an den Fuß heran, die letzte Rampe zur Kuppe ist eine steile Sackgasse mit spürbarer Steigung. Oben liegt ein weiter Wiesensattel mit dem Köterberghaus, der an schönen Wochenenden zum natürlichen Sammelpunkt wird. Weil es nur den einen Weg hinauf gibt, fährt man dieselbe Strecke wieder hinunter — Auffahrt und Abfahrt sind zwei Gesichter derselben Kurven.
Zwei Dinge lohnen die Planung: Die exponierte Kuppe hängt öfter im Nebel und kühlt merklich ab, während im Tal noch die Sonne steht — ein Blick auf die Wolkenbasis spart die vergebliche Auffahrt. Und der Köterberg gehört zu den Strecken, die genau beobachtet werden. Wer die Auffahrt leise und maßvoll angeht, hält sich Ärger vom Leib und trägt dazu bei, dass dieses Aushängeschild der Region befahrbar bleibt.
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