Zwischen Hann. Münden und Porta Westfalica zieht die Weser nach Norden, links und rechts flankiert von bewaldeten Höhenzügen — Solling, Ith, Süntel, Deister. Für Motorradfahrer ist das ein Revier der mittleren Drehzahl: fließende Landstraßen im Tal, kurze knackige Bergstrecken auf den Kämmen, dazwischen Gierseilfähren, die Fahrer und Maschine ohne Motorkraft über den Fluss ziehen. Fachwerkstädte, Sagengestalten und Weserrenaissance-Schlösser liefern die Pausengründe. Was die einzelnen Ecken ausmacht, steht hier.
Das Wesertal und seine Gierseilfähren

In Hann. Münden vereinen sich Fulda und Werra zur Weser — der Weserstein am Zusammenfluss trägt den bekannten Spruch dazu. Von hier folgt die B 80 dem Fluss mal am linken, mal am rechten Ufer. Das Reizvollste am Wesertal sind die Übersetzstellen: Bei Hemeln zieht eine Gierseilfähre nach Veckerhagen über den Strom — ohne eigenen Motor, allein aus der Strömung, die das an einem Hochseil verankerte Boot quer treibt; Motorrad und Fahrer zahlen 3,50 Euro. Direkt am Anleger lädt der Biergarten „Zur Fähre" unter einer mächtigen Linde zum Motorradtreff. Weitere solcher Gierseilfähren queren die Weser bei Wahmbeck und Großenwieden — kurze Passagen, die eine Rundtour ohne großen Umweg aufs andere Ufer bringen. Flussabwärts erreicht man über die B 80 Bad Karlshafen, die nördlichste Stadt Hessens: Ab 1699 legte Landgraf Carl den Ort mit rechtwinkligem Grundriss und Hafenbecken für hugenottische Glaubensflüchtlinge an — ein geschlossenes barockes Stadtbild, das im Weserbergland sonst nirgends so vorkommt.
Höhenzüge: Solling, Ith, Süntel, Deister

Rechts und links der Weser stapeln sich vier Höhenzüge, jeder mit eigenem Charakter. Der Solling ist der größte, ein zusammenhängender Waldblock; die B 241 führt zügig durch den Staatsforst bei Uslar, hinter Neuhaus im Solling fällt sie kurvig zur Weser bei Boffzen ab. Nach der Borkenkäferplage ist der Wald hier stark gelichtet — der Blick reicht heute weiter als früher, das Bild ist ein anderes. Der Ith bei Coppenbrügge ist der längste Klippenkamm Norddeutschlands; die Straße über den Rücken ist kurz, aber eng und aussichtsreich, an den Felswänden hängen Kletterer. Der Süntel über Hessisch Oldendorf trägt die Hohenstein-Klippen und den wiederaufgebauten Süntelturm — schmale Anfahrten, für die sich das Anhalten lohnt. Der Deister vor den Toren Hannovers ist ein Klassiker für die Feierabendrunde, auch wenn der Kammweg selbst für Motorräder gesperrt ist. Die Königsstrecke aber liegt bei Holzminden: die Bergstrecke von Golmbach nach Rühle, am Wochenende dicht von Knieschleifern befahren — hier bekommt das „Berg" im Namen seine Berechtigung. Genau deshalb stehen dort Schilder, die zu vernünftiger Fahrweise mahnen.
Sagen und Kur: Hameln, Bad Pyrmont, Bodenwerder

Die Kultur nimmt man im Wesertal nebenbei mit. Hameln ist die Rattenfängerstadt: Die Sage vom Rattenfänger, der 1284 die Kinder aus der Stadt fortlockte, wird von Ende Mai bis Anfang September sonntags als Freilichtspiel vor dem Hochzeitshaus gespielt, dahinter reiht sich gepflegtes Weserrenaissance-Fachwerk. Zum selben Landkreis gehört Bad Pyrmont, ein altes Staatsbad, dessen Kurpark einen der bekanntesten Freiland-Palmengärten nördlich der Alpen beherbergt; das barocke Residenzschloss mit Wassergraben liegt gleich nebenan. Wenige Weserkilometer flussaufwärts von Hameln liegt Bodenwerder, Geburts- und Sterbeort des Lügenbarons Hieronymus von Münchhausen (1720–1797). Im Ort erinnert ein Museum an ihn, davor gießt der Münchhausenbrunnen die bekannteste seiner Geschichten in Bronze: das am Fallgitter durchtrennte Pferd, aus dessen Rumpf das Wasser läuft.
Bauten am Fluss: Weserrenaissance, Porzellan und Corvey

Wer die Bauschule der Region an einem einzigen Haus ablesen will, hält an der Hämelschenburg bei Emmerthal südlich von Hameln — ein Herrenhaus, das als Musterbeispiel der Weserrenaissance gilt, mit Zwerchhäusern, Erkern und den typischen Fächerrosetten im Sandstein. Dieselbe Formensprache trägt Bückeburg im Norden, Residenz des Fürstenhauses Schaumburg-Lippe, wo Schloss und Stadtkirche den Stil zeigen. Rinteln am Fuß des Wesergebirges ist eine geschlossen erhaltene Fachwerkstadt und war bis 1810 Universitätsort. Handwerk mit Weltruf sitzt in Fürstenberg: Die 1747 gegründete Porzellanmanufaktur arbeitet bis heute im Schloss hoch über der Weser, eine der ältesten noch produzierenden Deutschlands, gemarkt mit dem blauen „F". Im Süden schließlich steht in Höxter das Kloster Corvey — sein karolingisches Westwerk ist das einzige weitgehend erhaltene der Welt und seit 2014 UNESCO-Welterbe.
Aussichten: Skywalk, Klippen und Porta Westfalica

Für den Weitblick lohnen zwei Ziele. Auf der rechten Weserseite bei Bad Karlshafen führt eine schmale Landstraße hinauf zum Weser Skywalk, einer Plattform auf den rund 80 Meter hohen Hannoverschen Klippen — der Blick fällt senkrecht ins Tal und über das Kronendach des angrenzenden Buchenwaldes. Im Norden endet die Region an der Porta Westfalica, wo die Weser zwischen Wiehen- und Wesergebirge durchbricht; über dem Durchbruch steht auf dem Wittekindsberg das Kaiser-Wilhelm-Denkmal, dahinter öffnet sich die Landschaft zur norddeutschen Tiefebene.
Anschluss nach Westen: die Externsteine

Wer das Revier nach Westen verlängern will, stößt im Teutoburger Wald auf die Externsteine bei Horn-Bad Meinberg: eine Reihe freistehender Sandstein-Türme, mehrere davon über 30 Meter hoch, mit einem mittelalterlichen Kreuzabnahme-Relief und einer in den Fels gehauenen Höhenkammer. Die Anfahrt über das Lippische Bergland ergänzt eine Wesertour um einen anderen Landschaftstyp — kein Flusstal mehr, sondern die Kammlinie des Teutoburger Waldes.
Rennstrecken-Nachbarschaft: der Bilster Berg

Nicht weit von Höxter liegt der Bilster Berg, eine anspruchsvolle Test- und Rennstrecke im Kreis Höxter, 2013 auf einem früheren Militärgelände eröffnet. Der Kurs nutzt den stark bewegten Untergrund mit Kuppen, Senken und blinden Kurven; Naturschutz und Anwohner sorgen dafür, dass er streng reglementiert und nicht öffentlich befahrbar ist. Für Trackdays oder ein Fahrsicherheitstraining bleibt er trotzdem ein Ziel in Reichweite — Termine und Anmeldung laufen über den Betreiber und gehören vor der Anreise geklärt.