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Weserbergland

Sehenswürdigkeiten im Weserbergland

Sehenswürdigkeiten, Sagen & Kultur – die Stopps, die eine Tour erst rund machen.

Kultur & Sagen

Sagen von Rattenfänger, Münchhausen und dem Weserbergland

Durch das Weserbergland führt die Deutsche Märchenstraße, und das hat einen Grund: Rattenfänger, Lügenbaron und Dornröschen sind hier an konkreten Orten verankert. An etlichen Stopps entlang der Weser läuft man ihnen direkt über den Weg.

Der Rattenfänger von Hameln

Die bekannteste Sage ist die vom Rattenfänger von Hameln. Der Sage nach kam ein bunt gekleideter Mann in die von Ratten geplagte Stadt und versprach, gegen Lohn die Tiere zu vertreiben. Mit seiner Flöte lockte er die Ratten in die Weser, wo sie ertranken. Als die Bürger den vereinbarten Lohn verweigerten, kehrte der Pfeifer zurück und führte mit derselben Melodie die Kinder der Stadt aus den Toren hinaus – und sie kehrten nie wieder.

Bemerkenswert ist, dass dieser Sage ein historisch fassbarer Kern zugrunde liegt: Auf den 26. Juni 1284 datiert die Überlieferung das Verschwinden von 130 Kindern aus Hameln, den sogenannten „Exodus Hamelensis". Die früheste schriftliche Überlieferung reicht in die erste Hälfte des 15. Jahrhunderts zurück und ist auf Latein verfasst. Die Forschung geht heute davon aus, dass es sich ursprünglich um zwei getrennte Sagen handelt: eine ältere Kinderauszugssage und eine Rattenvertreibungssage, die erst gegen Ende des 16. Jahrhunderts miteinander verbunden wurden. Eine vielfach vertretene Erklärung deutet den Kinderauszug als Ostkolonisation – im 13. Jahrhundert wurden junge Menschen zur Besiedlung von Gebieten im Osten (etwa Prignitz und Uckermark) angeworben; namenskundliche Belege stützen diese Auswanderungstheorie. Endgültig geklärt ist der Vorgang bis heute nicht. In Hameln wird die Geschichte mit Freilichtspielen und einem Glockenspiel weitergetragen.

Der Lügenbaron und das Dornröschenschloss

Weiter südlich, in Bodenwerder an der Oberweser, liegt die Heimat des Barons von Münchhausen, des „Lügenbarons", dessen aberwitzige Geschichten vom Ritt auf der Kanonenkugel bis heute weltberühmt sind. Ein Museum in der Stadt bewahrt Dokumente und Erinnerungsstücke. Im äußersten Süden, im Reinhardswald jenseits von Hann. Münden, steht die Sababurg, die der Volksmund als „Dornröschenschloss" kennt – sie gilt als eine der Inspirationsquellen für das Grimm'sche Märchen. Ihre Ursprünge reichen bis 1334 zurück, ab 1490 diente sie als Jagdschloss. Der Sage nach schlief hier die Prinzessin hundert Jahre hinter einer Dornenhecke; rundum wächst der berühmte Urwald Sababurg mit bis zu tausend Jahre alten Eichen.

Sehenswert

Fürstenberger Porzellan, Corvey und Fachwerkstädte: Stopps für Regentage im Weserbergland

Im Mittelgebirge schlägt das Wetter schnell um, und ein Regentag muss deshalb keine verlorene Zeit sein. Das Weserbergland hält eine ganze Reihe überdachter Ziele bereit, darunter mehrere von überregionalem Rang.

Die Porzellanmanufaktur Fürstenberg

Ein Höhepunkt für Handwerksfreunde ist die Porzellanmanufaktur Fürstenberg, gegründet 1747 von Herzog Carl I. von Braunschweig. Sie zählt zu den ältesten Porzellanmanufakturen Deutschlands und produziert bis heute hochwertiges Geschirr und Figuren. Bis 1972 wurde im barocken Jagdschloss über der Weser produziert; heute beherbergt das Schloss das Museum Schloss Fürstenberg, das die Entwicklung der Tafelkultur von 1747 bis in die Gegenwart zeigt. Das Museum ist in der Regel von Februar bis Dezember dienstags bis sonntags und an Feiertagen von 10:00 bis 17:00 Uhr geöffnet (im Januar nur am Wochenende). In der Schauwerkstatt lässt sich von März bis Oktober dem Entstehen der Porzellanstücke zusehen; im Werksverkauf gibt es die Ware direkt ab Manufaktur. Ein überdachtes Ziel, das einen ganzen Regentag tragen kann.

Weserrenaissance-Schlösser und das UNESCO-Welterbe Corvey

Auch die Schlösser Hämelschenburg, Bückeburg und das Schloss Fürstenberg selbst sind klassische Schlechtwetter-Ziele, da sie im Rahmen von Führungen durch die Innenräume zugänglich sind (Öffnungszeiten siehe oben). Ein besonderes Highlight ist das Kloster Corvey bei Höxter: Das karolingische Westwerk der ehemaligen Benediktinerabtei wurde am 21. Juni 2014 von der UNESCO zum Welterbe erklärt. Es ist das besterhaltene seiner Art, seine Wandmalereien sind über tausend Jahre alt, und von hier aus wurde im frühen Mittelalter die Christianisierung Nord- und Osteuropas mitgetragen. Heute vereint die Anlage Klosterkirche, Westwerk, Fürstliches Schloss und Museum – ideal für einen ausgedehnten Rundgang im Trockenen.

Fachwerk-Altstädte und Stadtgeschichte

Selbst die Altstädte taugen als Schlechtwetter-Programm: Unter den Vordächern und Arkaden der Fachwerkhäuser von Hann. Münden, Rinteln und Hameln lässt sich auch im Nieselregen viel entdecken, dazu Cafés, Museen und kleine Ausstellungen zur Stadtgeschichte. In Bodenwerder kommt das Münchhausen-Museum dazu. Bei den kleineren Häusern entscheiden allerdings Saison und Wochentag über den Betrieb: Außerhalb der Sommermonate und unter der Woche ist ein Teil davon geschlossen.

Sehenswert

Köterberg, Solling und der Weser-Skywalk: Naturstopps am Weg

Zwischen den Kulturzielen prägt vor allem die Landschaft das Weserbergland: das breite Tal der Weser, die bewaldeten Höhenzüge ringsum und einige Aussichtspunkte, die weit über die Region hinausreichen.

Der Köterberg – Aussichtsberg und Bikertreff

Der Köterberg ist mit 495,8 Metern der höchste Berg im mittleren Weserbergland und liegt auf der Grenze von Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen. Die höchste Erhebung der Gesamtregion ist er damit nicht – das ist die Große Blöße im Solling mit 528 Metern –, wohl aber der freistehendste: Vom Gipfel reicht der Rundblick über Ortschaften dreier Bundesländer und auf die Weser bei Höxter, Holzminden und Polle, bei klarer Sicht vom Hermannsdenkmal bei Detmold bis zum Brocken im Harz. In den Sommermonaten ist der Gipfelparkplatz an den Wochenenden ein klassischer Bikertreffpunkt.

Der Solling: Wald, Türme und Hochmoore

Der Solling ist das große, dicht bewaldete Mittelgebirge im Süden der Region und Kern des Naturparks Solling-Vogler. Über die Baumkronen ragen zwei Aussichtstürme: der hölzerne Hochsollingturm (33 Meter, zwischen 1991 und 1992 bei Neuhaus im Solling errichtet) und der Sollingturm bei Uslar. Im Hochsolling liegen Hochmoore und ein Wildpark; hier steht mit der Großen Blöße (528 m) auch der höchste Punkt der ganzen Region.

Die Hannoverschen Klippen und der Weser-Skywalk

Landschaftlich am eindrucksvollsten sind die Hannoverschen Klippen zwischen Bad Karlshafen (Hessen) und Würgassen (Nordrhein-Westfalen) – die einzigen großen, weithin sichtbaren Felsformationen des Sollings, direkt am Nordufer der Weser. Hier führt ein gut 100 Meter langer Pfad zum Weser-Skywalk, einer Aussichtsplattform rund 80 Meter über dem Fluss, mit Blick auf die Barockstadt Bad Karlshafen, den Reinhardswald und das Wesertal. Östlich davon liegt das Dreiländereck, wo Hessen, Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen aufeinandertreffen. Der Skywalk ist nur zu Fuß erreichbar, das Motorrad bleibt am Wanderparkplatz – die kurze Wanderung lohnt sich aber als Pause mit Weitblick. Entlang der Weser finden sich zudem zahlreiche kleine Rastplätze, Fähranleger (etwa die Gierseilfähren) und Biergärten direkt am Wasser, die sich für eine entspannte Mittagspause anbieten.

Fahrcharakter der Höhenzüge: Solling, Ith, Süntel, Deister

Auf der Karte wirken die Rücken beiderseits der Weser austauschbar. Auf dem Motorrad ist der Unterschied nach wenigen Kilometern eindeutig, denn jeder Höhenzug bringt einen eigenen Straßentyp mit. Wer die Reihenfolge klug wählt, fährt an einem Tag vier verschiedene Streckenbilder, ohne lange Verbindungsetappen einzuschieben.

Motorrad auf der Landstraße, dahinter die Türme der Sababurg über den Wiesen
Vorbei an der Sababurg im Reinhardswald

Der Solling ist der großflächigste der vier. Hier dominieren lange Waldabschnitte ohne Ortsdurchfahrt, weite Radien und ein gleichmäßiges Grundtempo. Genau das ist die Falle: Der Belag liegt über weite Strecken im Schatten hoher Buchen, trocknet nach Regen deutlich langsamer ab als im Wesertal und sammelt im Herbst nasses Laub in den Kurvenausgängen. Dazu kommt Wildwechsel, vor allem in der Dämmerung. Der Solling belohnt fließendes Fahren, nicht das Ausreizen der Schräglage.

Der Ith ist das Gegenstück: ein schmaler, langer Kalkkamm mit nur wenigen Straßenquerungen. Deshalb fährt man ihn meist an der Flanke entlang und wechselt an den Übergängen die Seite — mit Coppenbrügge, Lauenstein, Holzen und Eschershausen als Fixpunkten am Fuß. Die Auffahrten sind kurz und steil, oft im zweiten Gang, mit engem Kurvenwerk und schlechter Einsicht durch den dichten Hangwald. Oben stehen die Kletterfelsen, an denen an Wochenenden Sportler unterwegs sind; an den Wanderparkplätzen ist mit querendem Fußverkehr zu rechnen.

Der Süntel nördlich von Hameln ist kompakt und dicht erschlossen. Statt einer einzigen Kammstraße gibt es ein Geflecht schmaler Verbindungen zwischen den Randorten, teils einspurig ausgebaut, teils mit Mittelstreifen aus Moos und Rollsplitt nach der Winterpause. Wer Zeit hat, sucht die Süntelbuchen auf, jene krummwüchsigen Rotbuchen, die dem Bergzug ihren Namen geliehen haben. Fahrerisch verlangt der Süntel Kurzstreckenkonzentration: viele Abzweige, viele Wechsel, wenig Rhythmus.

Motorrad auf einer Landstraße zwischen leuchtend gelben Rapsfeldern
Zwischen den Rapsfeldern bei Scheden

Der Deister ganz im Norden ist der Hausberg des Großraums Hannover und entsprechend frequentiert. Die Waldwege sind für den Kfz-Verkehr gesperrt, gefahren wird auf den wenigen Querungen — allen voran dem Nienstedter Pass — und auf den Straßen am Fuß des Rückens. An schönen Sonntagen mischen sich Ausflugsverkehr und Radfahrer, dazu liegen die Wanderparkplätze in Serie am Straßenrand. Wer den Deister als Auftakt einer Runde nimmt, fährt ihn besser früh.

Weserfähren als Element der Streckenplanung

Zwischen Hann. Münden und dem Nordrand des Berglands gibt es nur wenige feste Brücken über die Weser. Zwischen diesen Punkten übernehmen die Fähren — und das verändert die Tourenplanung grundlegend. Eine Runde, die auf der Karte einen weiten Bogen zur nächsten Brücke verlangt, wird mit einer Übersetzstelle zur kompakten Acht mit zwei Uferwechseln.

Ein Teil der Weserfähren sind Gierseilfähren: Sie hängen an einem langen, im Fluss verankerten Seil und werden allein durch die Strömung ans andere Ufer gedrückt, indem der Fährmann das Boot schräg stellt. Kein Motor, kein Fahrplan im engeren Sinn, kein Lärm. Überfahrten dieser Art dauern wenige Minuten, und für viele Fahrer sind sie das eigentliche Erlebnis der Etappe — der Motor aus, das Wesertal aus der Flussmitte betrachtet.

Für die Praxis lohnt es sich, ein paar Punkte im Kopf zu haben:

  • Der Fährbetrieb ist saisonal und wetterabhängig. Bei Hochwasser, Eisgang oder zu niedrigem Pegel wird eingestellt — verlässlich ist nur der Blick auf die aktuelle Auskunft des jeweiligen Betreibers, nicht der Kartenausdruck vom Vorjahr.
  • Die Anlegerampen sind der heikelste Teil. Sie liegen je nach Pegel unterschiedlich steil, sind häufig feucht und mit Schlick oder Algen belegt. Langsam, aufrecht und ohne Lenkeinschlag auffahren.
  • Auf dem Deck gehören Gang raus, Motor aus und Seitenständer auf festem Untergrund dazu. Riffelblech und lackierte Stahldecks bieten dem Ständerfuß wenig Halt; ein Stück Blech oder ein Ständerteller im Gepäck erspart die Diskussion.
  • Wer eine Runde plant, die ohne Fähre nicht aufgeht, sollte die Ausweichbrücke kennen. Eine geschlossene Fähre am Nachmittag kostet sonst schnell dreißig Kilometer Umweg.

Bekannte Übersetzstellen liegen unter anderem bei Polle unterhalb der Burgruine, bei Grohnde im Raum Emmerthal und im Süden bei Hemeln vor den Toren von Hann. Münden. Sie lassen sich gut als Etappenteiler nutzen: Uferwechsel, Pause am Anleger, dann auf der Gegenseite zurück.

Die Stichstraße auf den Köterberg

Der Köterberg ist der einzige Berg der Region, den man nicht im Vorbeifahren mitnimmt. Die Straße auf die Kuppe ist eine Sackgasse: hinauf, oben wenden, auf derselben Linie wieder hinunter. Das prägt den Ort mehr als jede Aussicht. Weil niemand zufällig hier landet, ist das Publikum an Sommerwochenenden fast vollständig motorisiert, und der Gipfelparkplatz füllt sich früh.

Die Auffahrt aus Richtung Lügde ist kurz, aber steil und in der oberen Hälfte offen — der Wald bleibt zurück, die Fahrbahn zieht über freie Weideflächen zur baumlosen Kuppe mit Gipfelhaus und Sendemast. Wind ist hier oben Dauerzustand; bei Seitenwind gilt das schon für die letzten Kehren. Die Abfahrt verlangt mehr Aufmerksamkeit als der Aufstieg: kalte Bremsen nach der Pause, Gefälle, entgegenkommende Fahrzeuge auf einer Straße, die für Gegenverkehr nicht üppig dimensioniert ist, und je nach Jahreszeit Rollsplitt oder Kuhfladen in den Innenradien.

Zur Umgangsform: Der Köterberg steht seit Jahren unter Beobachtung. Anwohner in den Talorten hören jeden Lastwechsel, und die Diskussion über Sperrungen und Tempolimits im mittleren Weserbergland wird anhand konkreter Strecken geführt, nicht abstrakt. Eine sachlich gefahrene Auffahrt und ein abgestellter Motor am Parkplatz sind hier das, was die Zufahrt offen hält.

Bilster Berg: Rennstrecke ohne Zuschauerränge am Westrand

Am westlichen Rand der Region, zwischen Bad Driburg und Nieheim, liegt mit dem Bilster Berg eine der jüngsten permanenten Rennstrecken Deutschlands. Sie entstand auf dem Gelände eines ehemaligen britischen Munitionsdepots, wurde 2013 eröffnet und von Hermann Tilke geplant. Die rund vier Kilometer lange Strecke nutzt die Topografie des Eggerandes konsequent aus — mit ausgeprägten Höhenunterschieden, blinden Kuppen und Gefällepassagen, die eher an eine gewachsene Landstraßenstrecke erinnern als an ein Reißbrett-Layout.

Wichtig zu wissen: Der Bilster Berg ist keine Nordschleife. Es gibt keine Zuschauertribünen und keine offenen Touristenfahrten, bei denen man spontan mit dem eigenen Motorrad an die Kasse fährt. Der Betrieb läuft über Industriekunden, Fahrertrainings und geschlossene Veranstaltungen; der Zugang führt über eine Buchung, nicht über die Einfahrt. Für die Tourenplanung heißt das: Die Strecke ist ein Ziel für einen eigens angesetzten Termin, kein Zwischenstopp.

Das Umfeld ist trotzdem eine Fahrt wert. Der Übergang vom Weserbergland zum Eggegebirge bringt einen anderen Landschaftstyp ins Spiel — offener, welliger, mit weiten Blicken über die Feldfluren des Kreises Höxter und kurzen Waldstücken dazwischen. Wer den Bilster Berg als Wendepunkt einer Runde ansetzt, hat den landschaftlich reizvolleren Teil ohnehin auf der Anfahrt.

Weserrenaissance-Städte als Fahrziele

Die Städte an der Weser sind für Motorradfahrer aus einem einfachen Grund attraktiv: Sie liegen dicht genug beieinander, dass zwei oder drei davon in eine Tagesrunde passen, und weit genug auseinander, dass zwischen ihnen echtes Fahren stattfindet. Die Weserrenaissance hat ihnen ein gemeinsames Gesicht gegeben — Utluchten, welsche Giebel, Zwerchhäuser und Fächerrosetten an Bürgerhäusern des 16. und frühen 17. Jahrhunderts. Man erkennt den Stil nach dem zweiten Marktplatz.

Praktisch ist vor allem der Anfahrtsteil relevant. Die historischen Kerne sind überwiegend Fußgängerzone, das Kopfsteinpflaster in den Altstädten ist unregelmäßig, bei Nässe glatt und für Vorderrad und Seitenständer gleichermaßen unangenehm. Die entspannte Variante ist immer ein Parkplatz am Altstadtrand und der Rest zu Fuß. Ein Blick auf den Untergrund vor dem Abstellen lohnt: Fugenpflaster gibt unter Ständerdruck nach, besonders im Sommer.

Rinteln im Westen und Höxter im Süden zeigen den Stil in dichter Reihung, Bückeburg ergänzt das Bild um die Residenzarchitektur der Schaumburger. Für technisch Interessierte lohnt dort das Hubschraubermuseum, eines der wenigen Häuser dieser Art in Europa und ein Ziel, das auch bei Dauerregen trägt. Zwischen den Städten bleibt die Wahl zwischen der flussnahen Linie und den Höhenstraßen — meist ist die Kombination aus beidem die bessere Runde: hin über den Kamm, zurück am Wasser.

Hann. Münden, Rattenfänger und das Band der Märchenstraße

Am Südende der Region liegt Hann. Münden an der Stelle, an der Werra und Fulda zusammenfließen und ab dort Weser heißen. Für die Streckenplanung ist das der natürliche Wendepunkt: Von hier laufen drei Flusstäler auseinander, und jedes lässt sich als Rückweg fahren — die Weser nach Norden, die Fulda Richtung Kassel, die Werra nach Südosten in den Kaufunger Wald. Die Altstadt ist eines der geschlossensten Fachwerkensembles Deutschlands; wer sich mit Medizingeschichte beschäftigt, findet hier außerdem das Grab von Johann Andreas Eisenbarth, dem als „Doktor Eisenbart" sprichwörtlich gewordenen Wanderarzt, der 1727 in der Stadt starb.

Weiter flussabwärts markiert Hameln den Mittelpunkt des Reviers. Die Stadt lebt seit Jahrhunderten mit der Geschichte vom Rattenfänger, und sie tut das offensiv: Rattenmotive im Straßenpflaster, Figuren an Fassaden, Läden mit entsprechendem Sortiment. Als Fahrziel funktioniert Hameln vor allem als Drehscheibe — von hier aus sind Süntel, Ith, Deister und das mittlere Wesertal jeweils in kurzer Zeit erreichbar, was die Stadt zum praktischen Ausgangspunkt für Runden in vier Richtungen macht.

Über beide Orte läuft die Deutsche Märchenstraße, eine der ältesten Ferienstraßen des Landes, die von Hanau bis nach Bremen führt. Für Motorradfahrer ist sie weniger eine Route zum Nachfahren als ein Orientierungsband: Die ausgeschilderte Linie verbindet zuverlässig die sehenswerten Kerne, führt aber naturgemäß über die verkehrsreicheren Verbindungen. Die sinnvolle Nutzung besteht darin, sich die Ziele von der Märchenstraße zu nehmen und die Strecken dazwischen selbst zu suchen — über die Kämme statt durch die Ortsdurchfahrten. Genau darin liegt der Reiz des Weserberglands: Die Ziele stehen fest und liegen dicht, der Weg dorthin ist verhandelbar.

Hameln, Hämelschenburg und Bückeburg: die Ziele an der Weser

Das Weserbergland ist nicht nur Fahrrevier, sondern auch eine außergewöhnlich dichte Kulturlandschaft. Die Weserrenaissance hat hier Schlösser, Rathäuser und ganze Fachwerk-Altstädte hinterlassen, und zwar in einer Dichte, die es sonst kaum gibt. Für eine Tagesrunde passt das gut zusammen: kurze, kurvige Etappen zwischen den Zielen, dazwischen jeweils ein Stopp, der eine Pause wert ist.

Hameln – die Rattenfänger-Stadt

Hameln ist der heimliche Mittelpunkt der Region und durch die Sage vom Rattenfänger weltweit bekannt. Die Altstadt mit ihren reich verzierten Weserrenaissance-Bürgerhäusern – allen voran das berühmte Rattenfängerhaus – lässt sich gut zu Fuß erkunden. Hameln liegt direkt an der B83 und ist von allen Himmelsrichtungen leicht anzufahren. Geparkt wird am besten in einem der bewirtschafteten Parkhäuser am Altstadtrand; in der Fußgängerzone selbst ist das Motorrad fehl am Platz. Von Hameln aus erschließen sich nahezu alle Tagesrunden der Region.

Schloss Hämelschenburg – Meisterwerk der Weserrenaissance

Wenige Kilometer südlich von Hameln, im Ortsteil Hämelschenburg der Gemeinde Emmerthal, steht das Schloss Hämelschenburg, ein Wasserschloss, das als Hauptwerk der Weserrenaissance gilt. Jürgen Klencke und seine Frau Anna von Holle ließen die Anlage ab 1588 errichten; heute gehört sie zu den schönsten Renaissance-Ensembles Deutschlands, mit Kunstsammlungen, Garten, Wassermühle und Schlosskirche. Geöffnet ist von April bis Oktober, dienstags bis sonntags und an Feiertagen; das Innere ist nur im Rahmen von Führungen zugänglich (unter der Woche um 12, 13, 14 und 15 Uhr, am Wochenende und an Feiertagen häufiger). Adresse: Schlossstraße 1, 31860 Emmerthal, Telefon 05155 951690. Das Schloss liegt direkt an der B83 und lässt sich damit ohne Umweg in die Weserstraßen-Etappe einbauen.

Schloss Bückeburg – Residenz der Fürsten zu Schaumburg-Lippe

Im Norden der Region thront das Schloss Bückeburg, Sitz des Hauses Schaumburg-Lippe. Ursprünglich 1302 als Wasserburg auf einer Schlossinsel angelegt, präsentiert es sich heute als prachtvolle Residenz und ist nur im Rahmen einer Führung zu besichtigen; im Eintritt enthalten ist der individuelle Zugang zur fürstlichen Hofreitschule. Geöffnet ist ganzjährig (außer an einigen Feiertagen rund um Weihnachten und Neujahr): vom 1. April bis 30. September von 9:30 bis 18:00 Uhr (letzte Führung 17:00 Uhr), vom 1. Oktober bis 31. März von 9:30 bis 17:00 Uhr (letzte Führung 16:00 Uhr). Eine Führung dauert etwa eine Stunde.

Hannoversch Münden – Fachwerk am Weserursprung

Ganz im Süden, dort wo die Weser entsteht, liegt Hannoversch Münden (kurz Hann. Münden), die „Drei-Flüsse-Stadt". Hier vereinen sich Werra und Fulda zur Weser. Die Altstadt zählt zu den bedeutendsten Fachwerkstädten Deutschlands; einige der Häuser sind über 600 Jahre alt. Am Zusammenfluss steht auf dem Unteren Tanzwerder der Weserstein, der am 2. September 1899 aufgestellt wurde und mit seiner berühmten Inschrift den Übergang der beiden Flüsse markiert. Für Motorradfahrer ist Hann. Münden ein lohnender Wendepunkt am Südende der Region und Tor zum benachbarten Reinhardswald.

Rinteln und Fürstenberg

Im westlichen Weserbergland liegt Rinteln, eine kleine, aber sehr sehenswerte Fachwerkstadt an der Weser, deren Altstadt mit Erkern, welschen Giebeln, Fächerrosetten und reichem Schmuck der Weserrenaissance (etwa 1520–1620) glänzt. Viele Häuser sind über 400 Jahre alt; von 1619 bis 1810 war Rinteln sogar Universitätsstadt. Südlich darüber wacht die Schaumburg, Namensgeberin der Grafschaft. Wer Handwerksgeschichte mag, fährt nach Fürstenberg oberhalb der Weser: Dort sitzt seit 1747 die Porzellanmanufaktur Fürstenberg, eine der ältesten Deutschlands (dazu weiter unten mehr). Alle diese Ziele liegen an oder nahe der Weserstraße und lassen sich gut in eine Tagesrunde einbinden – Parken ist in den Altstädten meist an ausgewiesenen Plätzen am Rand möglich.

Landschafts-Highlights, die du mit dem Motorrad erreichst

Köterberg

Mit 495,8 Metern der höchste Gipfel im mittleren Lipper Bergland und eine der wenigen weitgehend baumfreien Kuppen der Region. Bei klarer Luft reicht der Rundblick bis zum Harz mit dem Brocken, über das Eggegebirge und den Teutoburger Wald – daher der Beiname 'Brocken des Weserberglands'.

Anfahrt
Stichstraße ab Lügde-Köterberg (Kreis Lippe); die Sackgasse führt direkt auf die Kuppe, streckenweise bis 14 % Steigung.
Motorrad-Parken
Parkplatz am Köterberghaus auf dem Gipfel, für Motorräder unproblematisch.
Öffnungszeiten
Berg frei zugänglich; das Köterberghaus (Berggasthof seit 1929) mit eigenen Gastro-Zeiten.
Höhe/Aussicht
495,8 m ü. NHN, nahezu freier Rundblick über 360°

Kaiser-Wilhelm-Denkmal an der Porta Westfalica

Das 1896 errichtete Denkmal steht am Wittekindsberg über der Stelle, an der die Weser zwischen Wiehen- und Wesergebirge in die Tiefebene durchbricht. Der klassische Nordbalkon des Weserberglands mit Blick über Fluss, Durchbruchstal und flaches Land.

Anfahrt
Am Nordrand des Weserberglands bei Porta Westfalica; Zufahrt über B 61, B 65 und B 482, dann hinauf zum Denkmalvorplatz.
Motorrad-Parken
Besucherparkplatz am Denkmal.
Öffnungszeiten
Aussichtsplateau frei zugänglich.
Höhe/Aussicht
Denkmal auf rund 210 m Höhe, Wittekindsberg-Gipfel rund 280 m; Blick über den Weserdurchbruch

Schloss Corvey bei Höxter

UNESCO-Welterbe seit 2014: Das karolingische Westwerk der 822 gegründeten Reichsabtei ist eines der wenigen weitgehend original erhaltenen seiner Art und trägt Fresken aus dem 9. Jahrhundert. Dazu barocke Schlossräume und die Fürstliche Bibliothek mit rund 74.000 Bänden.

Anfahrt
Am linken Weserufer unmittelbar bei Höxter (NRW), über die Wesertalstraße B 83 und die alte Lindenallee erreichbar.
Motorrad-Parken
Großer Besucherparkplatz am Schloss.
Öffnungszeiten
Schlossgelände und Kirche frei zugänglich; Innenräume und Museum nur zu den saisonalen Öffnungszeiten (kostenpflichtig).
Der Weserstein am Zusammenfluss von Werra und Fulda in Hann. Münden

Weserstein in Hann. Münden

Am Nordzipfel der Flussinsel Tanzwerder treffen Werra und Fulda zusammen und werden zur Weser – markiert vom Weserstein von 1899 mit dem bekannten Vierzeiler. Der Punkt ist das Südtor des Weserberglands, drumherum die dreiflüssige Fachwerk-Altstadt.

Anfahrt
In Hann. Münden (Niedersachsen) an der Weserspitze/Tanzwerder, wenige Gehminuten von der Altstadt; die Stadt markiert den Südrand des Weserberglands.
Motorrad-Parken
Motorrad an den Weserparkplätzen bzw. in der Altstadt abstellen, dann kurzer Weg zur Flussspitze.
Öffnungszeiten
Frei zugänglich.
Höhe/Aussicht
Zusammenfluss auf 116,5 m ü. NHN – hier beginnt die Weser

Emmerstausee (Schiedersee) bei Schieder-Schwalenberg

Rund 3 Kilometer langer Stausee im Lipper Bergland, Ende der 1970er zum Hochwasserschutz und für die Naherholung angelegt. Ein ruhiger Wasser- und Foto-Stopp abseits der Kammstraßen, im Sommer mit Segel- und Ruderbetrieb.

Anfahrt
Bei Schieder-Schwalenberg (Kreis Lippe) im Südwesten des Weserberglands, über die Landstraßen ab Schieder erreichbar.
Motorrad-Parken
Parkplätze am Freizeitzentrum und am Seeufer.
Öffnungszeiten
Uferbereich frei zugänglich.

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